Geschichte

Es war einmal". So beginnen die meisten Märchen. Die Geschichte der Evangelischen Pfarrgemeinde Salzburg Nördlicher Flachgau liest sich manchmal wie ein Märchen, in dem viele wundersame Dinge geschehen. Doch diese Geschichte ist wahr.

Und sie beginnt im Jahr 1935 in Neumarkt am Wallersee. In diesem Jahr wurde die erste Predigtstation der Pfarrgemeinde Salzburg außerhalb der Landeshauptstadt gegründet. Freilich, evangelische Christen gab es schon vorher im Flachgau. aber sie lebten als wahre „Exoten" in sehr geringer Zahl in den verschiedenen Orten. Nach dem 2. Weltkrieg kamen viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge in diese Gegend und haben sich hier niedergelassen.

Neben Neumarkt wurden in dieser Zeit (Ende der 40-er Jahre) in Seekirchen und Oberndorf regelmäßig evangelische Gottesdienste gefeiert. 1956 kam es zur Gründung von Sachsenheim, der Siebenbürger-Siedlung in Elixhausen, und der Predigtstation. Im selben Jahr, genau am 30. April 1956, wurde auch die weitere Predigtstation Oberndorf-Bürmoos gegründet und ein Jahr später, am 19. Mai 1957 konnte im „Sängerhäuschen" der 1. evangelische Gottesdienst in Bürmoos gefeiert werden.Und überall war der selbe Wunsch: eine eigene Kirche, wo man sich regelmäßig treffen konnte, um Gottesdienst zu feiern und Kraft und Hoffnung für die Aufbauarbeit zu schöpfen.

 

In Neumarkt am Wallersee wurde auch dieses Kapitel begonnen. Auf Initiative des „Salzbundes" kam es im April 1956 zur Grundsteinlegung der Rupertus- Kirche. Die Freude über dieses Ereignis drückte

der damalige Obmann der Predigstation, Dr. Ernst Ratzka, anläßlich der Firstfeier am 16. November 1958 folgendermaßen aus: „Nun stehen wir Neumarkter endlich vor der Erfüllung unseres Herzenswunsches. Zum ersten Male befinden wir uns als Gemeinde unter einem eigenen Dach und schützend umfangen uns die Mauern unseres Gotteshauses, das uns Heimstatt und Ort der Erbauung für uns und unsere Nachfahren werden soll." Am 26. Juni 1960 wurde die Rupertus-Kirche feierlich eingeweiht und schuldenfrei der Gemeinde übergeben. am 12. Juni 1994 erhielt sie das neue Geläut.

 

Einige Monate später, am 24. September 1961, wurde die Honterus-Kirche in Elixhausen in einem Festgottesdienst eingeweiht.



In diesem Jahr, 2. Juli 1961, erfolgte auch der Spatenstich zum Bau der Lukas-Kirche in Bürmoos. Es war eine Zeit des Aufbruchs, der mit der Weihe dieser Kirche durch den damaligen Superintendenten Mensing-Braun aus Linz (unsere jetzige Diözese Salzburg-Tirol gehörte noch zu Oberösterreich) seinen Höhepunkt erreichte.

 

Das Feld muss bestellt werden.

Die äußeren Rahmenbedingungen waren geschaffen. Das innere Wachstum begann: das gemeindliche Leben mußte organisiert werden damit sich die Gemeinschaft entfalten konnte. Gleichzeitig bahnte sich ein Genartionenwechsel an. Die „Pioniere" der Gründerzeit sind abgetreten, die heranwachsenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten ihre Vorstellungen von Gemeinde und evangelischen Leben definieren.

Der Kontakt zu den anderen christlichen Schwesterkirchen, allen voran der römisch katholischen Kirche, wurde aufgebaut und gepflegt.

 

„Klappaltar" in der Volksschule in Oberndorf (um 1960)

 

 

Zeit der Ernte

Die Kirche, besser gesagt die Gemeinschaft in der Kirche war noch immer anziehend und motivierend. Der Nördliche Flachgau wurde in den 80-er und 90-er Jahren zur Region mit dem stärksten Wachstum in ganz Österreich. Das hatte auch Auswirkungen auf die bestehenden evangelischen Strukturen in diesem Gebiet. Die evangelische Pfarrgemeinde Salzburg hatte mit großem Aufwand an Pfarrern, Vikarinnen, Vikaren und Lektoren - selbst aus dem benachbarten Bayern - diesen Teil der Gemeinde seelsorgerlich und gottesdienstlich „versorgt". Jetzt war der Zeitpunkt der Verselbständigung gekommen. Mit Erlass des Evangelischen Oberkirchenrates A.u.H.B. Zahl 3845/81 vom 17. Juli 1981 wurde die Evangelische Pfarrgemeinde A.B. Salzburg Nördlicher Flachgau mit Sitz in Elixhausen-Sachsenheim und den Predigtstationen Elixhausen, Bürmoos, Neumarkt, Seekirchen und den Predigtstellen Oberndorf und Mattsee gegründet.

Nachdem Schulrat Rektor Richard Engler jahrzehntelang diese Gemeinde zusammengehalten und geprägt hatte, kam auch die Zeit für den 1. eigenen Pfarrer. Nachdem bereits in den Jahren 1984-1986 das eigene Pfarrhaus in Elixhausen umgebaut und eingerichtet werden konnte war es endlich soweit. Am 25. Jänner 1987 wurde Mag. Peter Buchholzer bei einem Festgottesdienst durch Superintendent Schmidt in sein Amt

eingeführt. Die Fülle der Aufgaben bewirkte den Ruf nach einer 2. Pfarrstelle, auf die im Jahr 1998 Mag. Susanne Lechner-Masser berufen wurde.

Nach ihrem Wechsel in die Stadt Salzburg wurde auf diese Pfarrstelle Pfarrer Mag. Klaus Niederwimmer berufen. Bei der Evaluierung der Pfarrstelle wurde u.a. auch die räumliche Zuordnung zu dieser festgelegt und der Wunsch festgehalten, dass der Inhaber dieser Pfarrstelle in der Predigtstation Bürmoos wohnen soll. Dem wurde durch den Ankauf eines Reihenhauses in Bürmoos entsprochen.

Als erste evang. Kirche im Flachgau wurde die Rupertuskirche in Neumarkt am Wallersee errichtet. Im Jahre 1956 wurde auf Initiative des „Salzbundes" und des langjährigen Pfarrers Prof. Gerhard Florey der Grundstein für die Rupertuskirche gelegt. Die Pläne zeichneten die Architekten Medicus und Enhuber aus Salzburg. Am 26.Juni 1960 wurde die Kirche feierlich eingeweiht und der Pfarrgemeinde Salzburg schuldenfrei übergeben. „Nun befinden wir uns als Gemeinde unter einem eigenen Dach und schützend umfangen uns die Mauern unseres Gotteshauses, das uns Heimstatt und Ort der Erbauung werden soll", waren unter anderem die Worte des damaligen Obmanns Dr. Ernst Ratzka. Anlässlich der 30-Jahr-Feier im Jahre 1990 wurde die Kirche saniert. Dabei wollte man auch eine dem Stil des Gebäudes entsprechende künstlerische Gestaltung gewährleisten. Die bunten Glasfenster von Lydia Roppold aus Oberwang sind nun ein

besonderer Schmuck unserer Kirche. 1991 wurde eine Orgel angeschafft und 1994 zwei Glocken. Und wir wollten weiterhin Leben in unsere Kirche bringen und Raum für Jugendarbeit, Kindergottesdienste, Senioren- und Bibelarbeit, gemeinsames Musizieren und Gedankenaustausch schaffen. Das können wir jetzt verwirklichen. Im Jahr 2003 begann mit dem Spatenstich der erste Schritt zum Bau des Gemeindesaales. Unter fachkundiger Aufsicht und tatkräftiger Mitarbeit unseres „Bauherren" und Presbyters Johann Hansel wurde der Plan des Architekten Robert Soyka nach und nach umgesetzt. Kein leichtes Unterfangen bei dem engen Zufahrtsweg und den Platzverhältnissen des Grundstücks. Sehr positiv empfinden besonders die Frauen die kleine Küche.

Obwohl der Gemeindesaal an die Kirche seitlich im Bereich der Kirchenfenster angebaut wurde, konnte durch eine entsprechende Fenstergestaltung, vor allem der Dachfenster, die Helligkeit in der Kirche und die Leuchtkraft der Fenster erhalten werden.







 

 



Schon beim Bau der Siedlung „Sachsenheim" wurde der Platz für die Kirche berücksichtigt. Wie damals in Botsch in Siebenbürgen (heute Rumänien), sollte die Kirche

das Zentrum im Dorf sein. Nachdem die 55 Siedlungshäuser in Nachbarschaftshilfe fertiggestellt waren, ging man unverzüglich an die Vorbereitungen zur Errichtung der Kirche. Rektor Richard Engler war auch die treibende Kraft und unermüdlich am Werk. Am 27. Juli 1959 war es soweit, der Bau wurde begonnen - obwohl die Bewilligung erst mündlich erteilt war. Den Spatenstich nahm der damalige 1. Pfarrer der Gemeinde Salzburg, Ing. Emil Sturm, vor. Jede Familie aus den 55 Häusern hatte sich verpflichtet, 200 unbezahlte Arbeitsstunden einzubrigen. So wurde diese Kirche in bewährter Nachbarschaftshilfe von den Siedlern selbst errichtet, Ausdruck einer besonderen Beziehung zu ihrem Gotteshaus. Die Bauführung lag bei der Baugemeinschaft „Neusiedler", einer gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft.

Sie wurde eigens zur Förderung des Baus von Häusern für die vielen heimatvertriebenen Familien nach dem 2. Weltkrieg gegründet. Lediglich für die Baumaterialien musste ein Betrag von S 200.000,- aufgebracht werden.

Die Kirche war dann zu klein, als nach 2 Jahren Bauzeit am Sonntag den 24. September 1961 die Honterus-Kirche, benannt nach dem Reformator Siebenbürgens Johannes Honterus, in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde. Unzählige Freunde aus der alten Heimat, aus Österreich, Deutschland und sogar aus Schweden kamen zum Fest.

Der Kirchenbau

Architekt Glondys, selbst Siebenbürger, hat die Honterus-Kirche nicht als Kirchenburg geplant. Ein schlichter einschiffiger Bau mit Satteldach sollte es werden, an der linken Vorderseite ein mächtiger Turm mit weit heruntergezogenem Spitzdach, an der Rückseite eine halbrunde Absis für den Altarraum und an der rechten Hinterseite ein Anbau für die Sakristei. Die Glockenweihe haben am 26. September 1981 Alt- Superintendent Ing. Emil Sturm und Superintendent Mag. Wolfgang Schmidt vorgenommen. Die Kirche steht auf einer freien Fläche an markanter Stelle in der Siedlung. Der Platz vor der Kirche lädt ein zum Verweilen und zum Gespräch im Schatten der Bäume - so wie man es immer gewohnt war.

Der Kirchenraum

Der Innenraum der Kirche ist einladend und von besonderem Charakter. Über dem Eingang erhebt sich die ausladende Orgel- Empore. Von der linken, asymmetrischen hölzernen Seitenempore gibt es einen direkten Blick auf die gegenüberliegende etwas

erhöhte Kanzel. In unmittelbarer Nähe davon auf der rechten Längsseite sind 2 große gekreuzte Schwerter und die Fahnen von Siebenbürgen (blau-rot) und Österreich. Beides sind Symbole für die alte und neue Heimat. Die beiden Schwerter erinnern an die Sage der „Landnahme" durch König Hermann im Mittelalter. In dieser Form befanden sie

sich jeweils in den Kirchen von Broos und Draas, den westlichsten und östlichsten Orten Siebenbürgens. Die Vereinsfahnen der Landsmannschaft der Siebenbürger-Sachsen in Salzburg und der „Nachbarschaft Sachsenheim" zeigen die enge Verbindung von

kirchlichem und weltlichem Leben. Der Altarraum hat seinen besonderen Schmuck in den bunten Glasfenstern, den großen Leuchtern und dem schlichten überdimensionalen Wandkreuz.

1956 Am 30. April wird die Predigtstation Oberndorf-Bürmoos gegründet. Gottesdienstfeiern finden in der Schule statt.
1957 Am Pfingstsonntag wird der erste evangelische Gottesdienst in Bürmoos im so genannten „Sängerhäuschen" gefeiert. Bis zu diesem Jahr hatten sich in Bürmoos bereits über 200 Evangelische angesiedelt (zumeist so genannte Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem Banat, aus Siebenbürgen, Donauschwaben und Sudetendeutsche). Später feiert man im zu kleinen ehemaligen Milchgeschäft neben der r.k. Kirche. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche wird unüberhörbar.
1959 Die evangelische Pfarrgemeinde Salzburg kauft in Bürmoos von der Stieglbrauerei ein Grundstück. Der Plan zum Bau einer Holzbaracke als Kirche wird von den Bürmoosern abgelehnt.
1960 Das Salzburger Presbyterium beschließt den Bau einer Kirche in Bürmoos, der Lukas-Kirche.
1961 2. Juli: Spatenstichfeier mit Superintendent Mensing-Braun aus Linz und Firstfeier am 24. 11.
1962

Vikar Udo Feldt wird im Sängerhäuschen in sein Amt eingeführt und die erste Konfirmation wird in der noch im Rohbau befindlichen Kirche in Bürmoos gefeiert.

1963 Unerwartet kommt es zu Geldspenden für den Bau der Bürmooser Kirche: Das Gustav-Adolf-Werk in Hessen- Nassau und die Siebenbürger Landsmannschaft helfen großzügig. So können die zwei Glocken mit Hilfe der Siebenbürger Landsmannschaft von Bochum nach Laufen transportiert werden und am 15. September von Superintendent Sturm eingeweiht werden.
Am 20. Oktober findet die feierliche Einweihung der Kirche statt. Nach dem Evangelisten trägt sie den Namen „Lukaskirche".
1965 Im Jänner wird der inzwischen fertig gestellte Gemeindesaal seiner Bestimmung übergeben.
1969 Das Presbyterium der Salzburger Pfarrgemeinde lehnt den Bau eines Pfarrhauses in Bürmoos aufgrund fehlender finanzieller Mittel ab.
1970 Aus Resten einer Salzburger Orgel (Universität und Mozarteum) baut Orgelbaumeister Oetl aus Salzburg eine
1971 Orgel für Bürmoos, die fertig gestellt und eingeweiht wird.
1980 Prof. Wilhelm Kaufmann aus Salzburg schafft die Wandbilder in der Bürmooser Kirche: „Christus am Ölberg" und „Auferstehung und Verklärung".