Jahresmotto

Freiheit

500 Jahre Reformation – Wir blicken 5 Jahrhunderte zurück, in eine großartige Zeit, die mehr bietet als beeindruckende Persönlichkeiten:

Aufrichten. Durchlüften. Horizonte öffnen. Neue Koordinaten. Neues Selbstverständnis. Die Menschen der Reformation erfahren ihre Welt als eine Welt im Wandel, die Tore zu einem neuen Selbstverständnis, zu neuer Freiheit öffnet. Damit erreicht die Reformation unsere Gegenwart 2017.

Reformation: Sie versteht die Freiheit eines Christenmenschen zu allererst als Befreiung aus den Ketten der Sünde und des Todes, als Abschied von den Verkehrungen der menschlichen Existenz, als Rettung aus den Desorientierungen des menschlichen Daseins.

Ebenso wichtig wie die Frage, wovon der christliche Glaube befreit, ist auch die andere Frage, wozu er in die Freiheit ruft. Die Zusage der Freiheit setzt Menschen in Bewegung und soll sie davor bewahren, in egoistischer Verkrümmung zu verharren.

Reformatorischer Glaube zielt auf den rechten Gebrauch der Freiheit und auf das Wissen um die Verbundenheit aller, also auf Verantwortung.

 Verantwortung

Eine wesentliche Auswirkung der Reformation besteht darin, dass die Verantwortung das Glaubens dem einzelnen Christen und der einzelnen Christin überlassen wurde. Martin Luther wollte mündige Christen. So dass die Verantwortung für ein Leben aus dem christlichen Glauben nicht an andere delegiert werden solle und dürfe: an keinen Pfarrer, Priester, Papst oder sonst wen.

Das gilt für das Zusammenleben in Kirche und Gemeinde, egal welcher Konfession, nach evangelischer Auffassung in dieser unserer Zeit nach wie vor. Verantwortung als Schlagwort in unserem Jahresmotto für das Jubiläumsjahr auch ganz im Sinne des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer:

„Der Mensch lebt notwendig in einer Begegnung mit anderen Menschen, und ihm wird mit dieser Begegnung in einer je verschiedenen Form eine Verantwortung für den anderen Menschen auferlegt.“ Und:

„Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.“

So möchten wir Verantwortung auch als evangelische Pfarrgemeinde im Nördlichen Flachgau wahrnehmen.

Aufbruch

Für Juden und auch für Christen ist die Exoduserfahrung des Volkes Israel eine existentielle und eine nachhaltige. Gleich das zweite Buch im Alten Testament trägt den Titel „Exodus“. Aufbruch, Auszug in die Freiheit und Wahrnehmung der Verantwortung in dieser Freiheit. Das ist der biblische Grundtenor.

Unsere Pfarrgemeinde ist heuer seit 36 Jahren selbstständig. Wir sind damals aufgebrochen und ausgezogen von der Muttergemeinde Salzburg-Christuskirche in die Selbstständigkeit –Freiheit? – und haben uns der damit verbundenen Verantwortung gestellt. Und wir sind gewachsen von 1.700 Gemeindegliedern bei der Verselbstständigung auf rund 2.800 heute.

Neu zugezogene Gemeindeglieder kommen aus verschiedenen Teilen Österreichs, aus Deutschland, der Schweiz, sogar aus dem Iran. Schon vor der Verselbständigung sind Evangelische aus Siebenbürgen und dem Banat zugezogen.

Sie alle sind aufgebrochen; und wir als Pfarrgemeinde sehen uns hier in der Verantwortung: Ihnen Raum für ihren Glauben zu geben.

Aufbruch heißt auch hinausgehen, in die Öffentlichkeit. Die Frohe Botschaft öffentlich machen. Daher haben wir Sie alle hier eingeladen.

Aufbruch in der Ökumene:

Nach dem 2. Vatikanischen Konzil hat hier ein frischer Wind Bewegung erzeugt. Dieser Wind hat dann aber leider stark nachgelassen .

Nun haben sich aber die Fenster wieder geöffnet. Die Ökumene blüht wieder auf, im Weltweiten: – Stichwort ökumenischer Gottesdienst in Lund mit Papst Franziskus und Vertretern des Lutherischen Weltbundes am Reformationstag 31.10.2016 -  wie im Lokalen: Auf Initiative des Ökumene-Referates der Erzdiözese Salzburg wurden Vortragspaare aus je einem römisch-katholischen und einem evangelischen Pfarrer gebildet, zum Thema des Reformationsjubiläums.

Als Evangelische können wir dankbar sein, dass die Römisch-katholische Kirche das Reformationsjubiläum so positiv aufnimmt. Es ist unser gemeinsames Anliegen, das Evangelium, den Glauben des alten und neuen Bundes den Menschen auf die je adäquate Weise zu verkündigen. Es ist ein Gebot der Stunde, es jetzt zu tun. Nicht als Verteidigung von etwas, sondern als frohe, befreiende Verkündigung der Gnade, die uns geschenkt ist.

Wenn wir den Anspruch „Ecclesia semper reformanda est“ ernst nehmen, dann müssen wir immer wieder neu aufbrechen. Aber wohin? So einfach ist es nicht, wie uns am heutigen Feiertag die Geschichte von den Heiligen 3 Königen zeigt: Sie brechen auf und suchen ja zuerst in der Metropole Jerusalem, im Königspalast (könnte man heute sagen in der Wallstreet?). Fündig werden sie in dem unscheinbaren Dorf Bethlehem ( wie könnte man es heute bezeichnen?).

Raum für Aufbrüche, das will unser Jahresprogramm 2017 anbieten. Ein zentraler Punkt dieses Programms ist in der Fastenzeit der Kurs:

„Expedition zur Freiheit“:

In 40 Tagen – ich erinnere an den Exodus, da war das Volk Israel 40 Jahre auf Wanderschaft – wir also 40 Tage im Jahr 2017: Im Selbststudium, im Austausch in der Gruppe und in den Feiern der Gottesdienste wollen wir uns den Kompass erarbeiten, wohin der Aufbruch gehen soll.

Ich lade Sie alle sehr herzlich ein, diese Expedition mitzumachen.

Elixhausen, 06.01.2017